Selbstverständnis

Die Stadtteilgewerkschaft beruht auf gegenseitiger Solidarität.

Sie ist unser Werkzeug gegen Ungerechtigkeit und für die Durchsetzung unserer Rechte.

Unsere Organisation hat einen gewerkschaftlichen, sozialen und politischen Charakter.

GEWERKSCHAFTLICH

Das heißt wir kämpfen für unsere Rechte oder gegen ungerechte Behandlung in den Bereichen Arbeit, Wohnen, Behörden (zum Beispiel Jobcenter, Sozialamt), Aufenthalt, und weiteres.

SOZIAL

Das heißt wir treten für soziale Verbesserungen in unserem alltäglichen Leben ein und wollen den nachbarschaftlichen Zusammenhalt stärken. Wir wollen einen Stadtteil ohne Armut, Gewalt und Diskriminierung, d.h. wir stehen für ein solidarisches Miteinander statt Spaltung.

POLITISCH

Es geht darum, die Ursachen unserer Probleme zu erkennen und gemeinsam zu verändern. Deshalb ist das langfristige Ziel der Stadtteilgewerkschaft eine grundlegende Gesellschaftsveränderung. Das bedeutet für uns: Weg vom Kapitalismus hin zu einem Zusammenleben, das auf freier Zusammenarbeit statt auf Konkurrenz beruht und in dem alle Menschen wirklich mitbestimmen können.

Unsere politischen Übereinkünfte

1

Die Stadtteilgewerkschaft ist eine basisdemokratische Organisation und hat keine ungerechtfertigten Hierarchien. Die Organisation gehört den aktiven Mitgliedern. Entscheidungen werden in den jeweiligen Gremien getroffen. Dazu gehören die Vollversammlung, das Aktiventreffen und das Entwicklungstreffen. Entscheidungen, die gemeinsam getroffen wurden, gelten für alle Mitglieder.

2

Die Stadtteilgewerkschaft ist politisch und ökonomisch unabhängig von staatlichen Institutionen, Parteien, Unternehmen, den offiziellen Gewerkschaften und religiösen Einrichtungen. Das ist wichtig, damit wir in unseren Zielen, Handlungen und Denkweisen selbstbestimmt bleiben. Wir stellen das politische System infrage, weil es unter anderem dafür sorgt, dass der Reichtum in den Händen weniger Menschen verbleibt.

Wir setzen auf die Stärke einer Bewegung von unten, wenn es darum geht, Verbesserungen und Veränderungen durchzusetzen. Dem zunehmenden Rechtsruck setzen wir eine antifaschistische Position entgegen, die die Freiheit und Gleichheit aller Menschen durchsetzt.

3

Unsere Stärke liegt in der gemeinsamen Organisierung und gegenseitigen Solidarität. Wir organisieren uns nach dem Prinzip „touch one – touch all“. Das heißt, wenn ein Mitglied aus der Stadtteilgewerkschaft ungerecht behandelt wird oder Ausbeutung oder Unterdrückung erlebt und sich dagegen wehren möchte, helfen und kämpfen wir alle gemeinsam mit der Person. Durch die gemeinsame Organisierung sind wir stärker und können so Forderungen gegenüber Unternehmen, Vermieter*innen, Behörden etc. besser durchsetzen oder können uns zusammen gegen rassistische Angriffe und patriarchale Gewalt wehren. Zusammen können wir weniger Angst haben!

4

Gegenseitiger Respekt ist eine Grundlage der Stadtteilgewerkschaft. Menschen sind unterschiedlich: Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern, haben unterschiedliche Herkünfte, sie haben verschiedene Religionen oder keinen Glauben, sie lieben unterschiedlich etc. Wir treten gegen jede Form der Diskriminierung wie Rassismus, Sexismus, patriarchale Gewalt, Klassismus, Homofeindlichkeit, Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus etc. ein. Vorurteile sind Produkt des herrschenden politischen Systems, die wir verinnerlicht haben und die uns spalten. Umso mehr Vorurteile wir gegenseitig haben, umso schwächer werden wir im Kampf gegen die Ursachen unserer Probleme. Deshalb müssen wir gemeinsam lernen, um unsere eigenen Vorurteile zu überwinden. Wer gegenüber anderen Mitgliedern oder Dritten diskriminierend oder gewaltvoll handelt und eine kritische Auseinandersetzung damit ablehnt, kann nicht länger Mitglied bleiben.

5

Die Gesellschaft im Kapitalismus ist in soziale Klassen geteilt: diejenigen, die viel Geld haben oder Unternehmen besitzen und diejenigen, die arbeiten müssen, um zu überleben. Die Stadtteilgewerkschaft hat eine Klassenperspektive. Das heißt, wir stehen in unseren Kämpfen an der Seite der Ausgebeuteten und Beherrschten.

6

Die Stadtteilgewerkschaft tritt für die Rechte und Gleichberechtigung von benachteiligten Gruppen innerhalb der Gesellschaft ein, wie Geflüchtete, Menschen mit Behinderungen, arme Menschen, Frauen, LGBTIQ* Personen etc. Aber um gute Lebensbedingungen für alle Menschen zu schaffen, reicht es nicht aus, wenn einzelne Gruppen mehr Rechte haben. Wir glauben, dass es eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft braucht.

7

 Viele unserer alltäglichen Probleme haben gemeinsame Ursachen. Eine der Ursachen liegt in der kapitalistischen Wirtschaftsweise, die Profit über die Bedürfnisse der Menschen stellt und uns weltweit in tiefe Krisen bringt (Klimawandel, Hungerkrisen und wachsende Armut, Kriege, etc.). Wir verstehen uns deshalb als antikapitalistische Initiative.

8

So eine grundsätzliche Veränderung in der Gesellschaft muss unserer Meinung nach von einer Bewegung von unten ausgehen, bei der viele Menschen aktiv mitmachen. Nur wenn wir viele sind und lernen, uns gemeinsam und solidarisch zu organisieren, können wir wirklich etwas verändern. Deshalb ist ein Ziel der Stadtteilgewerkschaft größer zu werden und gemeinsam mit anderen Stadtteilgewerkschaften hier in Erfurt und in anderen Städten, Orten und Ländern eine organisierte soziale Bewegung aufzubauen.

 9

Die verschiedenen Leben und Orte der Welt sind miteinander verbunden. Es gibt globale Machtverhältnisse, die dazu führen, dass vor allem Menschen im Globalen Süden ausgebeutet werden und unter den Krisen leiden (Klimakrise, Krieg, Hunger etc.). Viele Mitglieder der Stadtteilgewerkschaft mussten ihre Heimat wegen dieser Krisen verlassen. Für ein besseres Leben für alle zu kämpfen, bedeutet für uns, eine weltweite und internationalistische Perspektive einzunehmen, bei der wir das Wohl aller Menschen mitdenken. Wir wollen unseren Wohlstand nicht weiterhin auf der Ausbeutung anderer aufbauen.

10

Die Kämpfe gegen den Kapitalismus haben eine lange und vielfältige Geschichte. Sie haben in unterschiedlichen Jahrhunderten und an verschiedenen Orten der Welt stattgefunden. Dadurch wurden wertvolle Erfahrungen und Wissen gesammelt. Diese können wir nutzen, um die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu verstehen, was die Grundlage eines erfolgreichen Kampfes für eine bessere Welt ist. Aber nicht alle haben Zugang zu diesem Wissen. Daher ist politische Bildung sehr wichtig. Unser Ziel ist es, uns durch Bildungen gemeinsam und ständig zu entwickeln und zu empowern und Theorie und Praxis in unserem Kampf zu verbinden.